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Bildliche Darstellungen, sogenannte „Bildkarten“ (ezu), von heiligen Stätten hat es in Japan seit dem Mittelalter gegeben und sind heute unter dem Stichwort „Wallfahrt-Mandalas“ (sankei mandara) zu nicht nur in der Kunstgeschichte beliebten Forschungsobjekten geworden. Während diese prächtig aufgemachten Mandalas aber meist mit konkreten Wallfahrten nichts zu tun haben, will dieser Vortrag versuchen, die bislang in der Forschung vernachlässigten Einblattdrucke für Pilger/Touristen in ihrer Doppelfunktion als Wegführer und Reisesouvenir chronologisch zu verfolgen.
Als Datenbasis dient eine Sammlung von ca. 100 Einblattdrucken zum Koyasan, deren frühesten Exemplare in das Jahr 1800 zurückreichen. Auf dem Koyasan hatte zum einen der Konkurrenzdruck durch zahlreiche rivalisierende Anbieter, zum anderen auch hohe Repeater-Zahlen unter der Kundschaft dazu geführt, dass Einblattdrucke nahezu jährlich aktualisiert wurden; sie sind daher auch als Index für strukturelle Wandel zu gebrauchen. Zum Beispiel hat der Anschluss an das Eisenbahnnetz, der mit der Eröffnung der Kabelbahn 1930 abgeschlossen war, nicht nur den beschwerlichen Fußweg für Wallfahrer überflüssig gemacht, sondern auch die touristische Erschließung für den Wintersport mit sich gebracht, um die Bahn das ganze Jahr auszulasten. Andererseits sind die Bilddarstellungen zum Teil auch ahistorisch, wenn etwa real nicht existierende Tempelgebäude verzeichnet sind, so z.B. die 1926 abgebrannte Goldene Halle, die erst 1934 wieder durch den auch heute noch existierenden Stahlbetonbau ersetzt wurde, oder das 1843 abgebrannte Mittlere Tor, das manche Darstellungen noch 100 Jahre später abbilden. Diese Wunschbilder bezwecken offenbar, die Spendenfreudigkeit beim Betrachter anzuregen: für die Wiedererrichtung des Mittleren Tores sind 2006/7 die Ausgrabungsarbeiten abgeschlossen worden.
Um die Diskussion zu erleichtern, sei auf eine in das Thema einführende online-Publikation des Autors verwiesen (http://www.f.waseda.jp/guelberg/bjgr/bjgr_index.htm):
Niels Guelberg, „Alte Bilddarstellungen von Tempel- und Schreinanlagen (1): Das „Nihon sankei no ichi: Itsukushima jinja no zu“ aus dem Jahre 1895“,
in: Blätter zur japanischen Geschichte und Religion Heft 1, März 2009.