Bilddarstellungen heiliger Stätten
– 200 Jahre Koyasan –


(c) Niels Guelberg 2009

Zurück

Koyasan-Einzelansichten (Die Frauenhallen (Nyōnindō))

Frauen war im Mittelalter der Zugang zum Kōyasan verwehrt. Wenn man den Legenden um Kūkais Mutter oder der Mutter von Ishidomaro einen wahren Kern zugesteht, dann war den Frauen nur eine Wallfahrt bis zur äußeren Peripherie wie dem Jisonin bei Kudoyama oder der Karukaya-Halle in Kamuro gestattet. Doch in der späten Edo-Zeit konnten Frauen bis kurz vor die Tore kommen: weibliche Pilger hatten nur einen sehr restringierten Zugang, durften aber auf Rundpfaden auf den Bergesgrädern und –gipfeln die Tempel in der Hochebene des Kōyasan von oben her betrachten bzw. verehren. Auf den Hin- und Rückwegen sowie entlang der Rundpfade auf den Bergeshöhen stifteten einzelne begüterte Frauen verschiedene Hallen, Buddha- und Bodhisattva-Figuren, so die „äußere“ bzw. „lautere Fudō-Halle“ (soto/kiyo-Fudō) auf halbem Weg zwischen Gokurakubashi und der Frauenhalle, die große bronzene Jizō-Figur gegenüber der Frauenhalle, die in den Jahren der Ära Enkyō (1744-48) von einer Frau aus der Familie Yokoyama in Edo, dem heutigen Tokyo, gestiftet wurde, und eben die Frauenhallen, die den weiblichen Pilgern als Rast- und Gedenkstätte dienten und deren berühmtestes Beispiel am Eingang des Kōyasan auf dem Hinweg auch heute noch steht.

Sie sind wohl erst im späten 18. Jahrhundert aufgekommen und zählten zu den Hochzeiten sechs Hallen (in der Koyasan-Gesamtsicht mit Rot hervorgehoben), auch wenn seit den Anfängen die beiden Hallen am Hinweg, die Halle am Fudōguchi, sowie die am Rückweg, die Halle am Großen Tor, die am besten ausgebauten Institutionen waren. Bei diesen beiden Hallen handelt es sich, wie die alten Abbildungen zeigen, um keine Einzelhallen, sondern um ein Konglomerat von verschiedenen Hallen mit zum Teil profaner, zum Teil religiöser Nutzung. Das größte Konglomerat war die Halle am Fudōguchi, wo es neben der eigentlichen Frauenhalle zwei weitere Hallen für die religiöse Einkehr gab, eine Fudō-Halle und eine Kannon-Halle, sowie ein als „Klause“ (anshitsu 菴室) bezeichnetes Gebäude, das wohl auch Übernachtungsmöglichkeit bot.
Frauenhalle am Fudōguchi (Kii no kuni meisho zue, 1838) Frauenhalle am Großen Tor (Kii no kuni meisho zue, 1838)
(Kii no kuni meisho zue, 1838): Frauenhalle am Weg nach Ainoura, Frauenhalle am Weg nach Kumano, Frauenhalle am Ausgang des Senjuin-dani

Die eigentliche Frauenhalle, wie sie auf dem Bild von 1838 gut zu erkennen ist, blieb in dieser Form, d.h. mit treppenartigem Aufgang, bis in die frühen 1910er Jahren erhalten, wie aus fogendem Foto ersichtlich. In den 20er Jahren wurde die Straße aufgeschüttet und auf Gebäudehöhe nivelliert.
Frauenhalle am Fudōguchi um 1910 Frauenhalle am Fudōguchi um 1920

In den 30er Jahren wurde die Bergseite geschliffen und durch die Straßenerweiterung Platz geschaffen für den Bau von Bushaltestellen und Busgarragen aus Beton, die heute wieder verschwunden sind.
Frauenhalle am Fudōguchi um 1930 Frauenhalle am Fudōguchi um 1934


Beispiele aus einer Bildkarte der frühen Meiji-Zeit, die zeigen, dass die Institutionen der Frauenhallen noch lange nach der offiziellen Abschaffung der Frauenausgrenzung ihre Funktion nicht verloren hatten:

Frauenhalle am Fudōguchi (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Frauenhalle am Großen Tor (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Frauenhalle in der Nähe des Atago-Schreins, Saiin-dani (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Frauenhalle am Weg nach Ainoura, Minami-dani (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Frauenhalle am Weg nach Kumano (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Frauenhalle am Ausgang des Senjuin-dani (ezu128, Ausschnitt, 1881)

Zurück

Author: Niels GUELBERG
e-mail: guelberg@waseda.jp
First drafted: 09.09.14
Last updated: 09.09.15