Bilddarstellungen heiliger Stätten
– 200 Jahre Koyasan –


(c) Niels Guelberg 2009

Zurück

Gekürzte Bildkarte des Kōyasan:
Kōyasan ryakuzu 高野山略圖 (zwischen 1850 und 1860)

Diese Bildkarte, schätzungsweise zwischen 1850 und 1860 entstanden, existiert in mehreren Druckversionen. Das Bild selbst stammt von dem Maler Asai Kōei (bzw. Kimihide, 淺井公英) und wurde von zwei verschiedenen Holzschnittern (Druckstockherstellern) gestochen, eine Version von Hosoji Tsuneshichi, die andere von Yamada Yoshisuke.
Hosoji; Drucker: Yamashiroya Mohachi Yamada; Drucker: Yamashiroya Mohachi
Beide Drucke können auch bei schlechter Bildauflösung einfach unterschieden werden, wenn auf die Position des Namensschildes „Senbonmaki“ (千本槇) neben dem Impressum rechts unten geachtet wird: im Hosoji-Druck ist das Namensschild sowie der dunkel eingezeichnete „Wald der tausend Schirmtannen“ links neben dem Impressum, im Yamada-Druck hingegen oberhalb des Impressums.

Hosoji Tsuneshichi (細字常七) war ein Druckstockhersteller in Osaka, der (nach einem Reklamedruck im Besitz der Nishigaki-Sammlung, Waseda University Library, Sign.: bunko 10-8020-14, online-PDF-Fassung vorhanden) dort in Kyōmachibori itchōme ein Geschäft namens Kōbundō (孔文堂) betrieb. Außer Druckstöcke für Bildkarten hat er Druckstöcke für Geldscheine sowie Siegel gestochen.

Über Yamada Yoshisuke (山田嘉助) ist nichts weiteres bekannt, außer dass er eine Version dieser Bildkarte gestochen hat.

Von beiden Holzschnittern existieren Bildkarten in Versionen, die in der späten Edo-Zeit, und Versionen, die nach 1877 entstanden sind, leicht zu unterscheiden durch den Austausch der Namensschilder für die beiden Haupttempel Kōzanji (興山寺) und Seiganji (青巖寺), die durch die Universität (daigakurin, 大学林) und Kongōbuji (金剛峯寺) ersetzt werden. (Die Datierung ist etwas schwierig: als Organisationen wurden die Haupttempel Kōzanji und Seiganji 1869 aufgelöst und durch den einen Haupttempel Kongōbuji ersetzt. Die Universität wurde 1877 gegründet, war aber zunächst im Kangakuin, d.i. im Südosten der Goldenen Halle, untergebracht. Der Unterrichtsbeginn wird jedoch erst für den 1. Mai 1886 angegeben, und zu diesem Zeitpunkt soll es auf dem Grund des ehemaligen Kōzanji zu Universitätsgebäuden umgewidmete Tempelhallen gegeben haben; vgl YAMAGUCHI 1977: 28. Unter Umständen sind die revidierten Karten also alle nach 1886 entstanden.)
Hosoji; Edo-Zeit [ezu017] Hosoji; Meiji-Zeit [ezu047]

Über die Priorität der beiden Druckversionen von Hosoji Tsuneshichi und Yamada Yoshisuke herrscht keine einheitliche Meinung, nur hat de facto die Faksimile-Edition des Verlags Jinbunsha, die ein von einem ungenannten Drucker gedrucktes Exemplar des Yamada-Druckstocks verwendet, der letzteren den Vorrang eingeräumt, was bislang unwidersprochen blieb. Tatsächlich sind in den meisten Drucken der Yamada-Version die edo-zeitliche Darstellung von Kōzanji und Seiganji zu finden, während von der Hosoji-Version zahlreiche meiji-zeitliche Versionen bekannt sind, jedoch edozeitliche Darstellungen äußerst rar bleiben.

Von der Sache her muss jedoch der Druckversion von Hosoji Tsuneshichi der Vorrang eingeräumt werden: im Impressum schreibt (da in beiden Versionen vorhanden, nicht der Holzschnitter, sondern wohl: ) der Maler Asai Kōei, dass er wegen des eng bemessenen Raumes nicht alles nach Wunsch berichtigen konnte, weshalb man doch für eine detailliertere Sicht die große, vollständige Karte einsehen solle.
Transkription:
山上山下の名處舊跡僧坊寺院許
多[少事?]、悉く顯し圖する事能
わす。殊更道路の曲直、谷々方位之
違ひ頗る多くといへとも、紙面
狭少にて改め正す事を得ず。
猶細見ハ大全圖にて清覧を希而已
Hosoji Yamada
Eine solche große vollständige Karte für detailliertere Ansicht existiert vom gleichen Maler tatsächlich unter dem Titel „(Saikoku zōho) Kōyasan saiken ezu“, (erneut geschnittene und vermehrte) Bildkarte der detaillierten Ansicht vom Kōyasan“ (再刻増補)高野山細見繪圖, eine Karte, die vom Format wie vom Namen her an die von dem Maler Tachibana Yasuharu 1813 herausgegebene Großformatkarte anschließt.
Von der erneut geschnittenen und vermehrten Bildkarte sind nicht viele Exemplare bekannt. Von folgenden 2 Exemplaren waren Abbildungen zugänglich:

  1. Tanaka Keiji-Kollektion der Universitätsbibliothek, Risshō daigaku, Tokyo:
    Maler Asai Kōei, Druckstockhersteller: Hosoji Tsuneshichi, Drucker: Kagetsudō 花月堂, h69cm×w146cm, handkoloriert.

  2. Sammelauktion, November 2006, Tokyo:
    Maler Asai Kōei, Druckstockhersteller: Hosoji Tsuneshichi, Drucker: Yamashiroya Mohachi 山城屋茂八, h70.8cm×w147.8cm, handkoloriert.

Von den beiden Druckern sind laut Katalog auch jeweils ein Exemplar in der Ashida-Kollektion der Universitätsbibliothek, Meiji daigaku, Tokyo, und zwar der Kagetsudō-Druck unter der Signatur 66-11-1 (Maße: h68.7cm×w145.2cm) und der Yamashiroya-Druck unter der Signatur 66-11-2 (Maße: h69.2cm×w144.2cm), vorhanden. Der Katalog kommentiert zudem, der Yamashiroya-Druck sei ein Nachdruck vom selben Druckstock (同板後刷) des Kagetsudō-Druckes.

Kurzum: während es Exemplare des von Hosoji Tsuneshichi geschnittenen Großformates gibt, sind bisher keine Exemplare eines von Yamada Yoshisuke geschnittenen Großformates bekannt. So ist naheliegend, dass derselbe Maler denselben Druckstockhersteller für beide Versionen, die detaillierte Ansicht und die gekürzte Karte, beauftragt hat.

Wann nun der Yamada-Druck entstand, ist ungewiss. Es muss nicht die späte Edo-Zeit gewesen sein, da es möglich ist, dass Yamada nur seiner Vorlage treu gefolgt ist. Yamada hat jedoch nicht einfach den Druckstock von Hosoji nachgeschnitten, sondern selbständig einen Druckstock nach der Vorlage von dem Bild Asai Kōeis angefertigt, denn in Details (wie zum Beispiel die Zahl und Position von Pilgern auf den Wegen) weichen die Hosoji- und Yamada-Versionen voneinander ab.

Bei den verschiedenen Neuauflagen der Meiji-Zeit gibt es durchaus auch nachgeschnittene Versionen des Hosoji-Druckes, die aber abgesehen von dem Austauschen der Namensschilder keine Abweichung von der Vorlage intendieren.
 
Hosoji; ohne Drucker [ezu017] Yamada; Drucker: Yamashiroya Mohachi [ezu025]
Hosoji; Drucker: Kagetsudō, Keiō Yamada-Faksimile-Druck

Hosoji; Drucker: Yamashiroya Mohachi [ezu107]
Hosoji; Drucker: Kagetsudō, Auktion April 2009
Hosoji; Drucker: Yamashiroya Mohachi [ezu047]

Schon seit den edo-zeitlichen Exemplaren gibt es Beispiele für Bildkarten, die mit einem bedruckten Umschlag überliefert sind. Der Umschlag ist ein sogenanntes „tatougami“: ein Einzelblatt, das auf beiden Seiten der Länge nach gefaltet und an den Längsrändern dann zusammengeklebt wird. So ist der Umschlag oben und unten offen und hält nur, weil er sehr eng auf Maß für den Inhalt gearbeitet ist. Von seiner Funktion als Schutzumschlag ist es naheliegend anzunehmen, dass alle Bildkarten mit „tatougami“ verkauft wurden, nur sind diese in der Überlieferung meist verlorengegangen.
Der Umschlag des Hosoji-Druckes trägt einen Alternativtitel: „(Meisho kyūseki) Kōyasan ezu“, „Kōyasan Bildkarte der berühmten Orte und historischen Stätten“ (名所旧跡)高野山繪圖, was bei kompletten Versionen auch den von den Katologen erfassten bibliographischen Titel macht. Neben dem Titel sind Bilder des Großen Tors, der Großen Pagode und des Grabmals Kūkais zu sehen.

Wenn man die bisher bekannt gewordenen Exemplare nach den Druckern ordnet, die sie gedruckt haben, ergibt sich folgendes Bild:

Ohne spezifischen Drucker:

  1. Hosoji-Version, Edo-Zeit, monochrom, Umschlag (Auktion März 2009)
  2. Hosoji-Version, Meiji-Zeit, monochrom (ezu071)
  3. Yamada-Version, Edo-Zeit, koloriert (ezu037=Reprint)
Kagetsudō 花月堂:
  1. Hosoji-Version, Edo-Zeit (Keiō Universität online), koloriert? (s/w-Bilddatei)
  2. Hosoji-Version, Edo-Zeit (Auktion April 2009), koloriert
Kagetsudō war, wie oben bereits beschrieben, auch der erste bekannte Drucker der Großformat-Version von Asai Kōeis Karte. Kagetsudō Yasubee hatte u.a. 1857 die von Itō Ryūzan gemalte Bildkarte „Kōyasan zenzu“ gedruckt, ebenfalls eine Großformatkarte, die u.a. in der Sumida-Kollektion der Universität Kobe sowie in HINONISHI als Nr.165 zu finden ist.

Yamashiroya Mohachi 山城屋茂八:

  1. Hosoji-Version, Meiji-Zeit, monochrom, Umschlag (ezu047)
  2. Hosoji-Version, Meiji-Zeit, monochrom, Umschlag (ezu072)
  3. Hosoji-Version, Meiji-Zeit, koloriert (ezu107)
  4. Yamada-Version, Edo-Zeit, koloriert (ezu025)
  5. Yamada-Version, Edo-Zeit?, koloriert (Fukuchi shoten 2009)
  6. Yamada-Version, Edo-Zeit?, koloriert (Fujisawa shoten 2009)
  7. Yamada-Version, Edo-Zeit?, koloriert (Sanmitsudō shoten 2009)
Über den Drucker Yamashiroya Mohachi 山城屋茂八 ist so gut wie nichts bekannt. Von seiner Tätigkeit her hat er wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf dem Kōyasan gearbeitet und neben Bildkarten u.a. auch die von Yamaguchi Shōgorō 1881 geschriebene Kūkai-Biographie gedruckt. Warum Yamashiroya zwei verschiedene Versionen derselben Bildkarte druckte, ist unklar.

Sakagami Taminosuke 阪上民之助:

  1. Hosoji-Version, Meiji 22 (1889) = Hinonishi No.181
Makino Gisaburō 牧野儀三郎:
  1. Hosoji-Version, ca.Meiji 30 (Auktion Mai 2008), koloriert
Von Makino Gisaburō sind ansonsten Kōyasan-Bildkarten-Kupferstiche aus den Jahren 1889 (Hinonishi, No. 182), 1892 (Hinonishi, No. 183) und 1897 (ezu140) bekannt. Die etwas abenteuerliche Farbgebung ist nicht intendiert, sondern Produkt einer Nachreaktion von unreinen chemischen Farbstoffen, wie sie bei Drucken der Meiji-Zeit des öfteren zu beobachten ist.
Sowohl beim Sakagami- wie auch beim Makino-Druck ist die Spalte mit den Namen des Malers und des Druckstockherstellers durch einen anderen Text ersetzt.

Holzschnitter (Druckstockhersteller) Hosoji Tsuneshichi (細字常七)

Holzschnitter (Druckstockhersteller) Yamada Yoshisuke (山田嘉助)


Yamada; Drucker: Yamashiroya Mohachi, w74,0cmxh50,5cm
(Fujisawa shoten, 2009)

Yamada; Drucker: Yamashiroya Mohachi, w74,0cmxh50,5cm
(Fukuchi shoten, 2009)

Zurück

Author: Niels GUELBERG
e-mail: guelberg@waseda.jp
First drafted: 09.09.12
Last updated: 09.09.14