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DIE INTELLIGIBLE WELT

 

 

 


Wenn man die in Urteilen sich vollziehende Er-
kenntnis als Selbstbestimmung des Allgemeinen
gelten läßt, so muß, damit überhaupt Etwas ge-

dacht werde, das Allgemeine sich selbst in sich selbst be-

stimmen. Am Allgemeinen aber lassen sich drei Stufen

unterscheiden, wodurch drei Welten gedacht werden:

Das ist erstens das Urteilsallgemeine; was in ihm seinen

»Ort« hat und durch dasselbe bestimmt wird, ist die -- im

weitesten Sinne -- natürliche Welt.

Da ist zweitens ein Allgemeines, welches das Urteilsallge-

meine umgreift; es umgreift ein die Prädikatsebene des

Urteilsallgemeinen Transzendierendes; d.h. es ist das

Selbstbewußtseinsallgemeine. Was in ihm seinen »Ort« hat

und durch dasselbe bestimmt wird, kann Bewußtseinswelt

heißen.

Da ist drittens endlich ein Allgemeines, welches auch dieses

Selbstbewußtseinsallgemeine umgreift; es umgreift ein Trans-

zendierendes in der Tiefe unseres bewußten Selbst. Was in

diesem letzten, umgreifenden Allgemeinen seinen »Ort« hat

und durch dasselbe bestimmt wird, ist die intelligible

Welt.

Die intelligible Welt transzendiert notwendig unser Den-

ken. Wie können wir dann überhaupt eine solche intelligible

Welt denken? Wenn das Denken eines Etwas, wie gesagt,

Selbstbestimmung des Allgemeinen ist, -- was für ein All-

gemeines ist es, durch dessen Selbstbestimmung die in-

telligible Welt gedacht wird?

Denken kann man, glaube ich, eine solche intelligible Welt,

auch wenn man von der Intentionalität unseres Bewußt-

seins ausgeht: Der Bewußtseinsakt ist einerseits real und

andererseits auch gleichzeitig intentional; er ist noetisch

und noematisch zugleich. Und das, was der Bewußtseins-

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akt intendiert, ist nicht nur bloßer sogenannter Bewußt-

seinsinhalt, sondern auch transbewußter Gegenstand.

In dem Fall, wo der Bewußtseinsakt einen vergangenen

Bewußtseinsinhalt intendiert, kann dies als bloße innere

Wahrnehmung aufgefaßt werden. Aber der Bewußtseins-

akt kann auch etwas intendieren, das unser Bewußtsein

transzendiert: er kann eine ewige Wahrheit intendieren,

die als in sich seiend gedacht wird und als unabhängig da-

von, ob sie bewußt wird oder nicht. In der Richtung auf

das so Intendierte, also in der Richtung auf das Noema, ist

der Bewußtseinsakt transzendierend. Zugleich ist er aber

auch notwendig in der Richtung der Tätigkeit, der Noesis,

transzendierend!

Was nur zeitlich ist, könnte ja nicht intentional sein. Ein

psychologisches Phänomen ist nun zwar intentional; aber

solange und insofern es noch bloß Zeitliches ist, kann es

keinen transbewußten Gegenstand intendieren. Um Trans-

bewußtes zu intendieren, muß unser Selbst auch noch das

bewußte Selbst transzendieren!

Wahrheit z.B. können wir nur auf dem Standpunkt des

Kantischen 'Bewußtseins überhaupt' denken. In diesem

Falle hat der Bewußtseinsakt keine psychologische Reali-

tät (als dem psychologischen Selbst zugehörig), sondern er

hat die Seinsweise des transzendenten Selbst, dem er im

Innern des bewußten Selbst zugehört.

Wenn, wie oben gesagt, eine unser Bewußtsein transzen-

dierende intelligible Welt gedacht wird, so transzendiert

das eine solche intelligible Welt bestimmende Allgemeine

notwendig jenes Selbstbewußtseinsallgemeine, welches un-

sere Bewußtseinswelt bestimmt. Als umgreifendes Allge-

meines kann es in seiner Struktur analog zu diesem Selbst-

bewußtseinsallgemeinen gedacht werden.

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